Hans und Grete

Gustav MAHLER (1860-1911)

Ringel, ringel Reih’n!
Wer fröhlich ist, der schlinge sich ein!
Wer sorgen hat, der lass’ sie daheim!
Wer ein liebes Liebchen küßt,
Wie glücklich der ist!
Ei, Hänsel, du hast ja kein’s!
So suche dir ein’s!
Ein schönes Liebchen, das ist was Fein’s. Juchhe!

Ringel, ringel Reih’n!
Ei, Gretel, was stehst denn so allein?
Guckst doch hinüber zum Hänselein!?
Und ist doch der Mai so grün?
Und die Lüftelein zieh’n!
Ei, seht doch den dummen Hans!
Wie er rennet zum Tanz!
Er suchte eine Liebchen, Juchhe!
Er fand’s! Juchhe!
Ringel, ringel Reih’n

February 19th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Mahler, Gustav

“Das Lied von der Erde” – Das Trinklied vom Jammer der Erde

Gustav MAHLER (1860-1911)
Text: Hans Bethge (1876-1946), YinYang Media Verlag

Schon winkt der Wein im goldnen Pokale,
Doch trinkt noch nicht, erst sing ich euch ein Lied!
Das Lied vom Kummer soll auflachend
in die Seele euch klingen. Wenn der Kummer naht,
liegen wüst die Gärten der Seele,
Welkt hin und stirbt die Freude, der Gesang.
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.
Dein Keller birgt des goldnen Weins die Fülle

Herr dieses Hauses!
Dein Keller birgt die Fülle des goldenen Weins!
Hier, diese lange Laute nenn’ ich mein!
Die Laute schlagen und die Gläser leeren,
Das sind die Dinge, die zusammen passen.
Ein voller Becher Weins zur rechten Zeit
Ist mehr wert, als alle Reiche dieser Erde!
Dunkel is das Leben, ist der Tod.

Das Firmament blaut ewig und die Erde
Wird lange fest stehen und aufblühn im Lenz.
Du aber, Mensch, wie lang lebst denn du?
Nicht hundert Jahre darfst du dich ergötzen
An all dem morschen Tande dieser Erde,
Nur ein Besitztum ist dir ganz gewiss:
Das ist das Grab, das grinsende, am Erde.
Dunkel ist das Leben, ist der Tod.

Seht dort hinab!
Im Mondschein auf den Gräbern hockt
eine wildgespenstische Gestalt – Ein Aff ist’s!
Hört ihr, wie sein Heulen hinausgellt
in den süßen Duft des Lebens!
Jetzt nehm den Wein! Jetzt ist es Zeit, Genossen!
Leert eure goldnen Becher zu Grund!
Dunkel ist das Leben, ist der Tod!

English Translation by Emily Ezust

The wine is already beckoning in the golden goblet,
but do not drink yet – first, I will sing you a song!
The song of sorrow shall resound
laughingly in your soul. When sorrow draws near,
the gardens of the soul will lie desolate,
wilting; joy and song will die.
Dark is life, dark is death.
Your cellar is full of golden wine!

Lord of this house!
Your cellar is full of golden wine!
Here, this lute I call my own!
Strumming on the lute and emptying glasses -
these are the things that go together.
A full glass of wine at the proper moment
is worth more than all the riches of the world!
Dark is life, dark is death.

The heavens are forever blue and the earth
Will stand firm for a long time and bloom in spring.
But you, Man, how long will you live then?
Not a hundred years are you allowed to enjoy
in all the rotten triviality of this earth!

Look down there!
In the moonlight, on the graves crouch
crouches a wild, ghostly figure – It is an ape!
Hear how its howls resound piercingly
in the sweet fragrance of life!
Now take the wine! Now is the time – enjoy!
Empty the golden goblet to the bottom!
Dark is life, dark is death!

February 19th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Mahler, Gustav

“Das Lied von der Erde” – Der Einsame im Herbst

Gustav MAHLER (1860-1911)
Text: Hans Bethge (1876-1946), YinYang Media Verlag

Herbstnebel wallen bläulich überm See;
Vom Reif bezogen stehen alle Gräser;
Man meint’, ein Künstler habe Staub vom Jade
Über die feinen Blüten ausgestreut.

Der süße Duft der Blumen is verflogen;
Ein kalter Wind beugt ihre Stengel nieder.
Bald werden die verwelkten, goldnen Blätter
Der Lotosblüten auf dem Wasser ziehn.

Mein Herz ist müde. Meine kleine Lampe
Erlosch mit Knistern;
es gemahnt mich an den Schlaf.
Ich komm zu dir, traute Ruhestätte!
Ja, gib mir Ruh, ich hab Erquickung not!

Ich weine viel in meinen Einsamkeiten.
Der Herbst in meinem Herzen währt zu lange.
Sonne der Liebe, willst du nie mehr scheinen,
Um meine bittern Tränen mild aufzutrocknen?

English Translation by Emily Ezust

Blue autumn mists undulate over the lake;
the grass is standing stiff with frost;
One might think an artist had strewn jade dust
over all the fine blossoms.

The sweet fragrance of flowers has flown away;
a cold wind forces them to bow their stems low.
Soon the wilted golden leaves
of lotus flowers will drift upon the water.

My heart is weary. My small lamp
has gone out with a splutter;
it reminds me of sleep.
I am coming to you, comfort place of rest!
Yes, give me rest – I have need of rejuvenation.

I weep much in my solitude.
The autumn in my heart has lasted too long.
Sun of love, will you never shine again,
gently to dry my bitter tears?

February 19th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Mahler, Gustav

“Das Lied von der Erde” – Von der Jugend

Gustav MAHLER (1860-1911)
Text: Hans Bethge (1876-1946), YinYang Media Verlag

Mitten in dem kleinen Teiche
Steht ein Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan.

Wie der Rücken eines Tigers
Wölbt die Brücke sich aus Jade
Zu dem Pavillon hinüber.

In dem Häuschen sitzen Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern,
Manche schreiben Verse nieder.

Ihre seidnen Ärmel gleiten
Rückwärts, ihre seidnen Mützen
Hocken lustig tief im Nacken.

Auf des kleinen Teiches stiller
Wasserfläche zeigt sich alles
Wunderlich im Spiegelbilde.

Alles auf dem Kopfe stehend
In dem Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan;

Wie ein Halbmond steht die Brücke,
Umgekehrt der Bogen. Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern.

English Translation by Emily Ezust

In the middle of the small pool
stands a pavilion of green
and white porcelain.

Like the back of a tiger
the jade bridge arches
across toward the pavilion.

In the small house sit friends,
beautifully dressed – drinking, chatting;
many are writing verses down.

Their silk sleeves slide
backwards, their silk caps
sit jauntily on the backs of their necks.

On the small pool’s still
surface, all things are reflected
wonderfully in reverse.

Everything is standing on its head
in the pavilion of green
and white porcelain.

The bridge stands like a halfmoon,
its arch inverted. Friends,
beautifully dressed, are drinking and chatting.

February 19th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Mahler, Gustav

“Das Lied von der Erde” – Von der Schönheit

Gustav MAHLER (1860-1911)
Text: Hans Bethge (1876-1946), YinYang Media Verlag

Junge Mädchen pflücken Blumen,
Pflücken Lotosblumen an dem Uferrande.
Zwischen Büschen und Blättern sitzen sie,
Sammeln Blüten in den Schoß und rufen
Sich einander Neckereien zu.

Goldne Sonne webt um die Gestalten,
Spiegelt sie im blanken Wasser wider.
Sonne spiegelt ihre schlanken Glieder,
Ihre süßen Augen wider,
Und der Zephyr hebt mit Schmeichelkosen das Gewebe
Ihrer Ärmel auf, führt den Zauber
Ihrer Wohlgerüche durch die Luft.

O sieh, was tummeln sich für schöne Knaben
Dort an dem Uferrand auf mut’gen Rossen,
Weithin glänzend wie die Sonnenstrahlen;
Schon zwischen dem Geäst der grünen Weiden
Trabt das jungfrische Volk einher!
Das Roß des einen wiehert fröhlich auf
Und scheut und saust dahin;
Über Blumen, Gräser, wanken hin die Hufe,
Sie zerstampfen jäh im Sturm die hingesunknen Blüten.
Hei! Wie flattern im Taumel seine Mähnen,
Dampfen heiß die Nüstern!
Goldne Sonne webt um die Gestalten,
Spiegelt sie im blanken Wasser wider.

Und die schönste von den Jungfraun sendet
Lange Blicke ihm der Sehnsucht nach.
Ihre stolze Haltung is nur Verstellung.
In dem Funkeln ihrer großen Augen,
In dem Dunkel ihres heißen Blicks
Schwingt klagend noch die Erregung ihres Herzens nach.

English Translation by Emily Ezust

Young maidens pick flowers,
pick lotus flowers at the edge of th shore.
Among bushes and leaves they sit,
Gthering blossoms in their laps and calling
to one another teasingly.

Golden sunlight weaves among the figures,
mirroring them in the shiny water.
The sun reflects their slender limbs,
their sweet eyes,
and the zephyr lifts caressingly
the fabric of their sleeves, wafting the magic
of their fragrance through the air.

O see the handsome young men galloping
there along the shore on their lively horses,
glittering like sunbeams;
already among the branches of the green willows,
the fresh-faced young men are approaching!
The trotting horse of one whinnies merrily
and shies and canters away;
over flowers and grass, hooves are flying,
trampling up a storm of fallen blossoms.
Ah, how wildly its mane flutters,
how hotly its nostrils flare!
The golden sun weaves among the figures,
mirroring them in the shiny water.

And the fairest of the young women sends
a long, yearning gaze after him.
Her proud appearance is only a pretense.
In the flash of her large eyes,
in the darkness of her ardent glance,
the agitation of her heart leaps after him, lamenting.

February 19th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Mahler, Gustav

Thomas Hampson
generic cat