Herr Oluf reitet spät und weit, Op. 2 no. 2

Carl LOEWE (1796-1869)
Text: Johann Gottfried Herder (1744-1803)

Herr Oluf reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitleut’.
Du tanzen die Elfen auf grünem Strand,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand:
“Willkommen, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Zwei göldene Sporen schenke ich dir.”

“Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Denn morgen is mein Hochzeittag.”
“Tritt näher, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Ein Hemd von Seiden schenke ich dir,
Ein Hemd von Seiden so weiß und fein,
Meine Mutter bleicht’s mit Mondenschein!”

“Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Denn morgen ist mein Hochzeittag.”
“Tritt näher, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenke ich dir.”
“Einen Haufen Goldes nähme ich wohl,
Doch tanzen ich nicht darf noch soll.”

“Und willst du, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch’ und Krankheit folgen dir!”
Sie tät ihm geben einen Schlag aufs Herz,
Sein Lebtag fühlt’ er nicht solchen Schmerz.
Drauf tät sie ihn heben auf sein Pferd:
“Reit’ heim zu deinem Fräulein wert!”

Und als er kam vor Hauses Tür,
Seine Mutter zitternd stand dafür:
“Sag an, mein Sohn, und sag mir gleich,
Wovon du bist so blaß und bleich?”
“Und sollt ich nicht sein blaß und bleich?
Ich kam in Erlenkönigs Reich.”

“Sag an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich sagen deiner Braut?”
“Sagt ihr, ich ritt in den Wald zur Stund,
Zu proben allda mein Roß und Hund.”
Früh Morgens als der Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

Sie schenkten Met, sie schenkten Wein:
“Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?”
“Herr Oluf ritt in den Wald zur Stund,
Zu proben allda sein Roß und Hund.”
Die Braut hob auf den Scharlach rot,
Da lag Herr Oluf und war tot.

English Translation by Emily Ezust

Lord Oluf rides lat and far
to summon his wedding guests.
Elves are dancing on a green bank,
and the Erlking’s daughter offers him her hand.
“Welcome, Lord Oluf, come dance with me
and I will give you two golden spurs.”

“I cannot dance, I do not wish to dance -
for tomorrow is my wedding-day.”
“Come closer, Lord Oluf, come dance with me,
and I will give you a shirt of silk,
a shirt of silk so white and fine -
my mother bleached it with moonbeams!”

“I may not dance, I do not wish to dance -
for tomorrow is my wedding-day.”
“Come closer, Lord Oluf, come dance with me
and I will give you a heap of gold.”
“A heap of gold I would gladly take,
but I cannot and should not dance with you.”

“If you will not dance with me, Lord Oluf,
then plague and sickness will follow you!”
She dealt him a blow to the heart,
and all his life he had never felt such pain.
Then she heaved him up upon his horse:
“Ride home to your worthy lady then!”

And when he came to the door to his house,
his mother, trembling, stood before him.
“Tell me, my son, and tell me true,
Why are you so pale and sick?”
“And should I not be pale and sick?
I was in the Erlking’s realm.”

“Tell me, my son, so dear,
What should I tell your bride?”
“Tell her that I rode to the wood just now,
To test my horse and hound.”
At early morning when day had hardly dawned,
his bride arrived with the wedding crowd.

They poured mead and wine:
“Where is Lord Oluf, my bridegroom?”
“Lord Oluf rode to the wood just now,
To test his horse and hound.”
The bride lifted up the cloth scarlet red,
And there lay Lord Oluf: he was dead.

February 19th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Loewe, Carl

Findlay

Johann Karl Gottfried LOEWE (1796-1869)
Text: Ferdinand Freiligrath (1810-1876)

Nun, wer klopft an meine Tür?
Ich, mein Schatz! sprach Findlay.
Geh’ nach Haus! was treibst du hier?
Gutes nur! sprach Findlay.
Wie ein Räuber schleichst du doch!
Räub’ auch gern! sprach Findlay.
Treibst vor Morgen Unfug noch.
Allerdings! sprach Findlay.

Ständ’ ich auf und liess’ dich ein,
Laß mich ein! sprach Findlay.
Schlief’ ich wohl nicht wieder ein!
Kann wohl sein! sprach Findlay.
Wärst du bei mir im Gemach,
Wär’ ich’s erst! sprach Findlay.
Gingest du wohl nicht vor Tag;
Freilich nicht! sprach Findlay.

Aber nimm, bleibst du die Nacht,
Ja, ich bleib’! sprach Findlay.
Auf dem Heimweg dich in Acht!
Fürchte nichtst! sprach Findlay.
Aber, was im Kämmerlein
auch geschieht, sprach Findlay.
Halt’s geheim, verschweig’ es fein!
Ganz gewiss! sprach Findlay.

February 17th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Loewe, Carl

Thomas Hampson
generic cat