Tragödie

Charles Thomlinson GRIFFES (1884-1920)
Text: Heinrich Heine

1
Entflieh mit mir und sei mein Weib,
Und ruh’ an meinem Herzen aus;
In weiter Ferne sei mein Herz
Dein Vaterland und Vaterhaus.

Entfliehn wir nicht, so sterb’ ich hier
Und du bist einsam und allein;
Und bleibst du auch im Vaterhaus,
Wirst doch wie in der Fremde sein.

2
Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht,
Es fiel auf die zarten Blaublümelein:
Sie sind verwelket, verdorrt.

Ein Jüngling hatte ein Mädchen lieb;
sie flohen heimlich von Hause fort,
es wußt’ weder Vater noch Mutter.

Sie sind gewandert hin und her,
sie haben gehabt weder Glück noch Stern,
sie sind gestorben, verdorben.

3
Auf ihrem Grab da steht eine Linde,
Drin pfeifen die Vögel im Abendwinde,
Und drunter sitzt auf dem grünen Platz,
Der Müllersknecht mit seinem Schatz.

Die Winde wehen so lind und so schaurig,
Die Vögel singen so süß und so traurig:
Die schwatzenden Buhlen, sie werden stumm,
Sie weinen und wissen selbst nicht warum.

English Translation by Emily Ezust and David Kenneth Smith

1
Flee with me and be my wife,
and rest upon my heat;
in distant lands let my heart
be your fatherland and your parental home.

If we do not flee, I’ll die here
and you will be lonely and alone;
and you will remain in your parental house,
but it will be like a foreign land to you.

2
There fell a frost on a night of Spring,
it fell on the delicate blossoms blue:
the blossoms withered, and drooped.
A young man once loved a maiden fair;
in secret they ran away from home,
unknown to their father or mother.
They wandered aimless here and there,
they had neither luck nor aiding star,
they met their ruin, they perished.

3
Over their grave stands a linden tree,
in which the birds are piping in the evening wind,
and on the grass underneath sits
the miller’s boy with his sweetheart.

The wind blows so mildly and eerily,
the birds sing so sweetly and mournfully:
the chattering youngsters, they fall silent;
they weep and they do not know why.

September 9th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Griffes, Charles

Pierrot (Sara Teasdale)

Charles Thomlinson GRIFFES (1884-1920)

Pierrot stands in the garden
Beneath a waning moon,
And on his lute he fashions
A fragile silver tune.

Pierrot plays in the garden,
He thinks he plays for me,
But I am quite forgotten
Under the cherry tree.

Pierrot plays in the garden,
And all the roses know
That Pierrot loves his music, –
But I love Pierrot.

June 16th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Griffes, Charles

Evening Song

Charles T. GRIFFES (1845-1920)
Text by Sidney Lanier (1842-1881)

Look off, dear Love, across the shallow sands,
And mark yon meeting of the sun and the sea,
How long they kiss in sight of all the lands.
Ah! Longer, longer we.

Now in the sea’s red vintage melts the sun,
As Egypt’s red pearl dissolved in rosy wine,
And Cleopatra night drinks all. ‘Tis done,
Love, lay thine hand in mine.

Come forth, sweet stars, and comfort heaven’s heart;
Glimmer, ye waves, round else unlighted sands.
O night! Divorce our sun and sky apart
Never our lips, our hands.

Translation by Werner Richter

Schau hin, mein Lieb, wohl überm flachen Sand,
Da trifft die Sonne nun das Meer.
So lang ihr kuß vor all dem vielen Land.
Ach! Länger tun’s wir.

Im Chianti der See die Sonne versinkt,
Wie die Perle Ägyptens schmolz im rotten Weine.
Kleopatra die Nacht dann leer den Becher trinkt.
Mein Lieb, leg deine Hand in meine.

Kommt, süße Sterne, stärkt des Himmels zagen Mut;
Glitzert, ihr Wellen, bescheint die lichtlosen Sände.
O Nacht! Trenn Sonn’ und Himmel in dunkler Flut,
Doch nie unsre Lippen und Hände.

March 4th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Griffes, Charles

Zwei Könige sassen auf Orkadal

Charles T. GRIFFES (1845-1920)
Text by Emanuel Geibel (1815-1884)

Zwei Könige sassen auf Orkadal,
hell flammten die Kerzen im Pfeilersaal.
Die Harfner sangen, es perlte der Wein,
die Könige schauten finster drein.
Da sprach der eine: “Gib mir die Dirn’!
Ihr Aug’ ist blau, schneeweiss ihre Stirn.”
Der Andre versetzte in grimmem Zorn:
“Mein ist sie und bleibt sie, ich hab’s geschwor’n!”
Kein Wort mehr sprachen die Könige drauf,
sie nahmen die Schwerter und stunden auf,
sie schritten hervor aus der leuchtenden Hall’;
tief lag der Schnee an des Schlosses Wall.
Es sprühten die Fackeln, es blitzte der Stahl-
zwei Könige sanken auf Orkadal.

February 15th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Griffes, Charles

Auf geheimem Waldespfade

Charles T. GRIFFES (1845-1920)
Text: Nikolaus Lenau (1802-1850)

Auf geheimem Waldespfade
schleich’ ich gern im Abendschein
an das öde Schilfgestade,
Mädchen, und gedenke dein!

Wenn sich dann der Busch verdüstert,
rauscht das Rohr geheimnissvoll,
und es klaget und es flüsert,
dass ich weinen, weinen soll.

Und ich mein’, ich höre wehen leise
deiner Stimme Klang,
und im Weiher untergehen
deinen lieblichen Gesang.

English Translation by Emily Ezust

Along a secret forest path
I like to creep in the evening light;
I go to the desolate, reedy banks,
and think, my maiden, of you!

As the bushes grow dark,
the reeds hiss mysteriously,
and lament and whisper,
and thus I have to weep and weep.

And I think that I hear wafting
the gentle sound of your voice,
and down into the pond sinks
your lovely song.

February 15th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Griffes, Charles

Thomas Hampson
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