In den Hügeln wird Gold gefunden

Hanns EISLER (1898-1962)
Text: Bertold Brecht

In den Hügeln wird Gold gefunden
An der Küste findet man Öl.
Größere Vermögen
Bringen die Träume vom Glück
Die man hier auf Zelluloid schreibt.

English Translation by John Willett

In the hills are the gold prospectors
by the sea you come upon oil.
Greater fortunes far
are won from those dreams of happiness
which are kept on celluloid spools.

September 1st, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Eisler, Hanns

Über die Dauer des Exils

Hanns EISLER (1898-1962)
Text: Bertold Brecht

Schlage keinen Nagel in die Wand,
wirf den Rock auf den Stuhl.
Warum für vier Tage vorsogen,
du kehrst morgen zurück.

Laß den kleinen Baum ohne Wasser.
Warum einen Baum pflanzen?
Bevor er so hoch wie eine Stufe ist,
gehst du froh weg von hier.

Zieh die Mütze ins Gesicht,
wenn die Leute vorbeikommen.
Wozu in einer fremden Grammatik blättern?
Die Botschaft, die dich ruft,
ist in bekannter Sprache geschrieben.

So wie der Kalk vom Gebälk blättert
(tue nichts dagegen),
so wird der Zaun der Gewalt zermorschen
der an der Grenze aufgerichtet ist gegen die Gerechtigkeit.

English Translation by John Willett

Don’t knock any tails in the wall
Just throw your coat on the chair.
Why plan for four days?
Toworrow you’ll go back home.

Leave the little tree without water.
Why plant a tree now?
You’ll pack your bags and be away
Before it’s as high as a doorstep.

Pull your cap over your eyes when people pass.
What use thumbing through a foreign grammar?
The message that calls you home
Is written in a language you know.

As whitewash peels from the ceiling
(Do nothing to stop it!)
So the block of force will crumble
That has been set up at the frontier
To keep out justice.

July 27th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Eisler, Hanns

An die Überlebenden

Hanns EISLER (1898-1962)
Text: Bertold Brecht

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut,
In der wir untergegangen sind,
gedenkt,
wenn ihr von unsren Schwächen sprecht,
auch der finsteren Zeit,
der ihr entronnen seid.

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd,
durch die Klassenkriege, verzweifelt,
wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.
Dabei wußten wir doch:
Auch der Haß gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge,
auch der Zorn gegen das Unrecht
macht die Stimme heiser.
Wir, die den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit,
wir konnten selber nicht freundlich sein.

Ihr aber, wenn es soweit ist,
daß der Mensch dem Menschen kein Wolf mehr ist,
gedenket unser mit Nachsicht.

English Translation by John Willett

You will emerge from the flood
In which we have gone under
Remember
When you speak of your failings
The dark time too
Which you have escaped.

For we went, changing countries oftener than our shoes
Through the wars of the classes, despairing
When there was injustice only, and no rebellion.

And yet we know:
Hatred, even of meanness
Contorts the features.
Anger, even against injustice
Makes the voice hoarse. Oh, we
Who wanted to prepare the ground for friendliness
Could not ourselves be friendly.

But you, when the time comes at last
And man is helper to man
Think of us
With forbearance.

July 27th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Eisler, Hanns

In die Städte kam ich

Hanns EISLER (1898-1962)
Text: Bertold Brecht

In die Städte kam ich zu der Zeit der Unordnung,
Als da Hunger herrschte.
Unter die Menschen kam ich zu der Zeit des Aufruhrs,
Und ich empörte mich mit ihnen.
So verging meine Zeit,
Die auf Erden mir gegeben war.

Mein Essen aß ich zwischen den Schlachten.
Schlafen legt’ ich mich unter die Mörder.
Der Liebe pflegt ich achtlos,
Und die Natur sah ich ohne Geduld.
So verging meine Zeit,
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Straßen führten in den Sumpf zu meiner Zeit.
Die Sprache verriet mich dem Schlächter.
Ich vermochte nur wenig.
Aber die Herrschenden
Waren ohne mich sicherer, das hoffte ich, das hoffte ich.
So verging meine Zeit,
Die auf Erden mir gegeben war.

Die Kräfte waren gering. Das Ziel lag in weiter Ferne,
Es war deutlich sichtbar, wenn auch für mich
kaum zu erreichen. So verging meine Zeit
Die auf Erden mir gegeben war.

English Translation by John Willett

I came to the cities in a time of disorder
When hunger reigned there.
I came among men in a time of revolt
And I rebelled with them.
So passed my time
Which had been given to me on earth.

My food I ate between battles
To sleep I lay down among murderers
Love I practiced carelessly
And nature I looked at without patience.
So passed my time
Which had been given to me on earth.

All roads led into the mire in my time.
My tongue betrayed me to the butchers.
There was little I could do. But those in power
Sat safer without me: that was my hope.
So passed my time
Which had been given to me on earth.

Our forces were slight. Our goal
Lay far in the distance
It was clearly visible, though I myself
Was unlikely to reach it.
So passed my time
Which had been given to me on earth.

July 27th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Eisler, Hanns

Elegie 1939

Hanns EISLER (1898-1962)
Text: Bertold Brecht

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten.
Eine glatte Stirn
deutet auf Unempfindsamkeit hin.
Der Lachende
hat die fruchtbare Nachricht nur noch nicht empfangen.

Was sind das für Zeiten,
wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist,
weil es Schweigen über so viel Untat einschließt.
Der dort ruhig über die Straße geht,
ist nicht mehr erreichbar für seine Freunde,
die in Not sind.

Man sagt mir: Iß und trink,
sei froh, daß du hast.
Aber wie kann ich essen und trinken, wenn
ich dem Hungrigen entreiße, was ich esse und
mein Glas Wasser einem Verdurstenden fehlt.
Und doch trinke und esse ich.

Ich wär auch gern weise.
In den alten Büchern steht, was weise ist:
sich aus dem Streit der Welt zu halten, seine kurze Zeit
ohne Angst zu verbringen,
seine Wünsche nicht erfüllen, sondern vergessen.
Alles das kann ich nicht.
Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten.

English Translation by John Willett

Truly, I live in dark times!
The guilelss word is folly. A smooth forehead
Suggests insensitivity. The man who laughs
Has simply not yet had
The terrible news.

What kind of times are they, when
A talk about trees is almost a crime
Because it implies silence about so many horrors?
That man there calmly crossing the street
Is already perhaps beyond the reach of his friends
Who are in need?

They say to me: Eat and drink! Be glad you have it!
But haw can I eat and drink if I snatch what I eat
From the starving, and
My glass of water belongs to one dying of thirst?
And yet I eat and drink.

I would also like to be wise.
In the old books it says that wisdom is:
To shun the strife of the world and to live out
Your brief time without fear
Also to get along without violence
To return good for evil
Not to fulfil your desire but to forget them
Is accounted wise.
All this I cannot do:
Truly, I live in dark times.

July 27th, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Eisler, Hanns

Thomas Hampson
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