Verliebte schöne Frau

Alban BERG (1885-1935)
Text: Heinrich Heine

Spätherbstnebel, kalte Träume,
Überfloren Berg und Tal,
Sturm entblättert schon die Bäume,

Und sie schaun gespenstisch kahl.

Nur ein einzger, traurig schweigsam
Einzger Baum steht unentlaubt,
Feucht von Wehmutstränen gleichsam,
Schüttelt er sein grünes Haupt.

Ach, mein Herz gleicht dieser Wildnis,
Und der Baum, den ich dort schau
Sommergrün, das ist dein Bildnis,
Vielgeliebte schöne Frau!

English Translation by Anonymous

Late autumn fog and cold dreams
cover mountain and valley;
a storm has already robbed the trees of leaves,
and they look spectral and naked.

Only one, a mournful, silent,
solitary tree, stands undenuded,
moist from nostalgic tears, it seems,
nodding its green head.

Ah, my heart is like this wasteland,
and that tree that I see there,
summer-green – that is your image,
well-beloved, beautiful woman!

September 1st, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Berg, Alban

Schlummerlose Nächte

Alban BERG (1885-1935)
Text: Martin Greif

Legt mir unters Haupt Melissen,
meine Träume sind so wild.
Ihrer Grabesnacht entrissen
schwebt vielleicht ihr süßes Bild
über mein verödet Kissen.

English Translation by Anonymous

Put balm under my head,
my dreams are so wild.
Torn from the night of her grave,
her sweet picture might be soaring
above my desolate pillow.

August 2nd, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Berg, Alban

Grabschrift

Alban BERG (1885-1935)
Text: Ludwig Jacobowski

“Dem Auge fern, dem Herzen nah!”
Als ich die alte Grabschrift sah
Im eingesunknen Marmorstein,
Da fiel mein totes Lieb mir ein.
O Gott, ich schrieb schon tausendmal
Das gleiche Lied aus gleicher Qual,
Und war doch keins wie dieses da:
“Dem Auge fern, dem Herzen nah!”

English Translation by Anonymous

‘Far from the eyes, close to the heart!’
When I saw the old epitaph
on the sunken marble gravestone,
my dead love came to my mind.
O God, a thousand times I have written
the same song from the same anguish,
yet there was nothing like this:
‘Far from the eyes, close to the heart!’

August 2nd, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Berg, Alban

Ferne Lieder

Alban BERG (1885-1935)
Text: Friedrich Rückert

Rosen!
Ein Zypressenhain,
Alte Brunnen fließen.
Auf dem Meer im Abendschein
Schwarze Schwalben schießen.

Aus der weißen Villa dringt
Eine sanfte Klage:
Eine Frau, die spielt und singt
Lieder andrer Tage.

Eine große Stille spinnt,
die Fontänen steigen.
Und die fernen Lieder sind
Laut geword’nes Schweigen.

English Translation by Anonymous

Roses!
A cypress grove,
ancient springs flowing.
Above the sea in the evening glow
black swallows are darting.

From the white villa
comes a soft lament:
a woman playing and singing
songs of bygone days.

A great silence is spun,
the fountains rise;
and the distant songs
are silence turned to sound.

August 2nd, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Berg, Alban

Wo der Goldregen steht

Alban BERG (1885-1935)
Text: F. Lorenz

Eh’ wir weitergehen,
Laß uns stille stehen,
Hier ist alles ruhig, weit und klar.
Eine Blütendolde
Von dem gelben Golde
Dieses Strauches in dein braunes Haar!
Seine Zweige hängen
Schwer und voll und drängen
Über uns mit süßer Kraft herein.
Laß uns stehn und warten
Tief im fernsten Garten
Kann die Liebe nicht verborg’ner sein.
Eine alte Weise
lingt verträumt und leise,
Und du siehst mich an und lächelst hold.
Quellen gehn und rinnen,
Ach, was jetzt beginnen?
Sieh, es regnet Glück und Sonnengold.

August 2nd, 2005   |  Permalink  |  Filed under: Berg, Alban

Thomas Hampson
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